„Die Frau vom Checkpoint Charlie“

Zeitzeugin berichtet an der Taunusschule von der DDR-Diktatur

Jutta Fleck wurde als „Frau vom Checkpoint Charlie“ zur Symbolfigur für den friedlichen Widerstand gegenüber der DDR-Diktatur. An der Taunusschule hat sie jetzt gemeinsam mit ihrer Tochter Beate Gallus von ihrer außergewöhnlichen Lebensgeschichte berichtet. Das eindrucksvolle Zeitzeugengespräch hinterließ spürbare Wirkung bei den Zehntklässlern des Gymnasialzweigs. Die Jugendlichen zeigten sich nachdenklich und zugleich beeindruckt vom Mut, der Ausdauer und dem unermüdlichen Einsatz der beiden Frauen für Freiheit und Gerechtigkeit.

Mit großer Eindringlichkeit schilderte Jutta Fleck die dramatischen Ereignisse ihres gescheiterten Fluchtversuchs aus der DDR im Jahr 1982. Gemeinsam mit ihren Töchtern wollte sie über Rumänien nach Jugoslawien gelangen, doch der Versuch wurde verraten. Nach der Festnahme durch die rumänische Geheimpolizei und der Rückführung in die DDR wurde Fleck sofort von ihren Kindern getrennt und inhaftiert. Beate und Claudia kamen zunächst in ein Kinderheim und wurden später dem Vater übergeben.

Für die Freiheit entschieden

Offen sprach Fleck über die Haftbedingungen, die täglichen Schikanen der Stasi, die psychische Zermürbung und die Isolation. Bei Razzien hätten sich die Gefangenen nackt ausziehen müssen, die wenigen persönlichen Gegenstände im Gefängnis seien regelmäßig durchwühlt und verwüstet worden. Fleck zeigte ein Foto von sich und den beiden Töchtern, das sie nur behalten durfte, nachdem sie ihren Kopf auf dem Foto abgeschnitten hatte.

„Mit solchen Schikanen hat man die Menschen zermürbt, viele waren zu schwach, um weiterzukämpfen“, sagte die heute 79-Jährige. „Doch ich hatte mich für die Freiheit entschieden.“

1984 wurde Jutta Fleck schließlich von der Bundesrepublik freigekauft – ihre Töchter jedoch mussten in der DDR zurückbleiben. Beate Gallus, die als Neunjährige gemeinsam mit ihrer Schwester von der Mutter getrennt wurde, erzählte von der Zeit im Kinderheim, von Verhören, von der Kälte und Härte der Stasi und der Heimleitung, von eigenen Fluchtversuchen und vom Leben beim Vater, der sie immer wieder davon abzuhalten versuchte, Kontakt zur Mutter aufzunehmen.

„Die Strukturen im Kinderheim waren auf Spaltung der Familie aus“, erläuterte Gallus.

Viele Familien, die durch die Flucht eines Elternteils getrennt wurden, seien daran zerbrochen. Immer wieder ergänzte sie die Schilderungen ihrer Mutter durch Einblicke in ihre eigenen Stasi-Unterlagen: Jeder ihrer Schritte sei damals überwacht und akribisch dokumentiert worden.

„Wenn man in der Akte liest, fühlt man sich komplett nackt und ausgeliefert“, sagte Gallus.

Das Schlimmste sei, zu lesen, wer alles Informationen geliefert habe, selbst beste Freunde aus der eigenen Schulklasse.

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