Taunusschüler informieren in Vorträgen, mit Experimenten und einer Modell-Ausstellung zum Kernunfall von Tschernobyl 1986
Den 40. Jahrestag der atomaren Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl haben zwei Klassen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern zum Anlass genommen, sich mit diesem Unfall naturwissenschaftlich auseinander zu setzen. Sie entwickelten ein Konzept, um insgesamt 16 Schulklassen der Taunusschule schulzweig- und jahrgangsübergreifend an einem Tag über die Geschehnisse und Folgen des Kernunfalls zu informieren und so verwandelten sich drei physikalische Fachräume in ein Museum rund um das Thema „Radioaktivität und Kernkraft“.
Angefangen hatte die Grundidee zu diesem Projekt bereits im Sommer letzten Jahres. Physiklehrer Jürgen Satony entdeckte zufällig im Internet ein Klemmbausteinset des havarierten vierten Reaktorblocks in Tschernobyl, das ihn faszinierte. Da im Physikunterricht das Thema Radioaktivität auf dem Lehrplan der zehnten Jahrgangsstufen steht, fand sich mit der von Sabine Reinhardt unterrichteten Klasse 10Ga eine Gruppe, die anknüpfend an den Unterricht das Projekt entwickelte. Unterstützend wurde noch die Kunstgruppe 7Gb von Tanya Gotta-Leger tätig, die Kunstoff-Modellbausätze zusammenbaute und bemalte.
Unkontrollierbare Kettenreaktion
Im ersten Raum ging es um die Grundlagen radioaktiver Strahlung und Experimente zur Messung der Nullrate. Eindrucksvoll war auch die Visualisierung einer nuklearen Kettenreaktion mithilfe von Mausefallen und Tischtennisbällen. So konnten auch die Jüngsten unter den Zuschauern, die noch keinen Physik- oder Chemieunterricht hatten, ein Gefühl dafür bekommen, dass die Kombination aus Konstruktionsmängeln und menschlichen Fehlern während eines Sicherheitstests zu einem unkontrollierbaren Zustand im Atomreaktor führte.

Im ersten Raum ging es um die Grundlagen radioaktiver Strahlung und Experimente zur Messung der Nullrate. Eindrucksvoll war auch die Visualisierung einer nuklearen Kettenreaktion mithilfe von Mausefallen und Tischtennisbällen. So konnten auch die Jüngsten unter den Zuschauern, die noch keinen Physik- oder Chemieunterricht hatten, ein Gefühl dafür bekommen, dass die Kombination aus Konstruktionsmängeln und menschlichen Fehlern während eines Sicherheitstests zu einem unkontrollierbaren Zustand im Atomreaktor führte.
Im nächsten Raum beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit den genauen Abläufen des GAU am 26. April 1986. Unterstützend wirkte hier das maßstabsgetreue Modell aus Klemmbausteinen, für das Physiklehrer Satony eine Schutzhülle gebaut hat, wie sie auch in Tschernobyl zu finden ist. Rund um diesen so genannten Sarkophag arbeiten auch heute noch rund 500 Personen. Ein Pappmodell der Taunusschule diente als Hilfe, um die riesigen Dimensionen der gesamten technischen Anlage des Reaktors in Tschernobyl sichtbar zu machen. „Wie in einem Actionfilm“ beschrieben die Schüler die Dampfexplosion mit anschließender Feuerwalze und das bläuliche Leuchten am Himmel – jedoch mit fatalen Folgen: „Die DNA wurde durch die Strahlung gebrochen und die Menschen starben an Akuter Strahlenkrankheit.“
Folgen für ganz Europa
Die Kunststoffmodellbausätze zeigen die ersten Löschversuche, einen Kontrollposten am Kraftwerksgelände, die Arbeit der Liquidatoren, den Helfern der Aufräumarbeiten, und einer Tauchergruppe, erfolglose Dekontaminierungsversuche der nahegelegenen Stadt Prypjat sowie deren Evakuierung.
Das dritte Schülerteam hatte sich mit den gesundheitlichen und regionalen Folgen für die Menschen der Ukraine und in ganz Europa beschäftigt. Es stellte das Versagen der damaligen politischen Führung in der Sowjetunion vor. Lehrerin Sabine Reinhardt zeigte sich erfreut, wie auch Schülerinnen
und Schüler, die sonst eher still im Unterricht sind, über sich hinauswuchsen. So schlüpften die Lernenden etwa in die Rolle eines Zeitzeugen, der als Liquidator auf dem Kraftwerksdach bei lebensgefährlichen Aufräumarbeiten eingesetzt war, und entwarfen eine Zeitung zu den Ereignissen. Außerdem hatte die Gruppe Lehrkräfte als Zeitzeugen interviewt und rundete durch die Filmsequenzen die Vorträge ab.
Physiklehrer Jürgen Satony erläutert die Bedeutung dieser besonderen Projekttage an der Taunusschule im Physik-Bereich zu punktuellen Anlässen, wie beispielsweise auch die Erinnerung an das 50-jährige Mondlandejubiläum im Jahre 2019:
„Der gesamte Unterricht läuft in der Vorbereitung und Durchführung unter dem Motto Schüler unterrichten Schüler. Neben den inhaltlichen Schwerpunkten und dem Vorbereiten einer Ausstellung üben sich die Schülerinnen und Schüler im Präsentieren und Erklären vor eher unbekannten Personen, also auch einer zu erlernenden Qualifikation in der Schule.“
Auch das Fazit der beteiligten Schüler war durchweg positiv.
„Wir wollen nicht nur über Atomkraft informieren, sondern auch an die Leute erinnern, die vor 40 Jahren gestorben sind“, sagte der Zehntklässler Louis. „In Deutschland gibt es keine Kernkraftwerke mehr, und das aus gutem Grund.“
(Text: Jürgen Satony, Sabine Reinhardt; Fotos: Myriam Rompel)






