Von Bad Camberg nach Ägypten: Taunusschüler erlaufen 3.338 Kilometer
Spendenlauf im Kurpark schweißt Schulgemeinde zusammen
Ein großes Gemeinschaftsprojekt hat den Bad Camberger Kurpark vorletzten Schultag in eine lebendige Laufarena verwandelt. Fast 1.000 Schülerinnen und Schüler der Taunusschule traten im Rahmen ihrer Projektwoche zu einem großen Spendenlauf an. Dabei wurden 3.338 Kilometer insgesamt gelaufen, das ist etwa so weit wie von Bad Camberg nach Ägypten.
Auf der 605 Meter langen Laufstrecke im schattigen Kurpark ging es für die Teilnehmenden darum, innerhalb einer Stunde so viele Runden wie möglich zu absolvieren. Die elfjährige Emma hatte sich dafür gemeinsam mit ihrer Freundin Sudenaz eine clevere Taktik zurechtgelegt: Drei Runden joggen, Trinkpause, drei Runden langsam laufen, Esspause, dann drei Runden schnelles Gehen und zum Schluss ein finaler Zielsprint.



Toiletten sind Dauerthema
Bürgermeister Daniel Rühl hatte die Großveranstaltung am Morgen offiziell eröffnet. Leider blieb keine Zeit, selbst die Laufschuhe überzustreifen. Er erinnert sich jedoch, dass Schultoiletten schon zu seiner eigenen Schulzeit Dauerthema waren:
„Wir haben es immer vermieden, in der Schule auf die Toilette zu gehen. Das sollte eigentlich nicht so sein.“
Als Schirmherr der Aktion fungierte Ulrich Menken. Der begeisterte Läufer, der auch schon den Bad Camberger Stadtlauf mitorganisiert hat, zögerte keine Sekunde mit seiner Zusage:
„Wenn die Schülerinnen und Schüler sich anstrengen für etwas, das man spürbar sieht, bin ich immer dafür. Man kann junge Leute nicht früh genug heranführen, sich für etwas Gutes einzusetzen.“
Gemeinsam mit seinem Lauffreund Ulrich Diehl brachte er es auf zehn Runden.
Ohne externe Unterstützer lässt sich ein solches Event nicht realisieren: Am Rathaus versorgte ein Getränkestand die Läufer mit kostenlosem Wasser, das vom Mineralbrunnen Oberselters bereitgestellt wurde. Für die nötige Energie sorgten zudem zahlreiche Kisten Gratis-Obst, die von Rewe und dem Verein „gesundekids“ gespendet wurden. Die Helfer des Roten Kreuzes verzeichneten einen ruhigen Einsatz und mussten lediglich drei kleine Stürze verarzten.
Vereine vor Ort
Auch die Camberger Vereinswelt brachte sich aktiv ein. Die TG Camberg war mit ihrer Badminton-Abteilung vertreten, während die Handballer des SV Bad Camberg eine Lichtschrankenmessung aufbauten, bei der die Schüler ihre Wurfkraft und Ballgeschwindigkeit testen konnten.
Der Spendenlauf ging weit über das reine Laufen hinaus. Für alle, die gerade verschnauften, bot die Oberstufe ein buntes Rahmenprogramm. Beim Wasserflaschen-Stemmen zeigten sich Emilia und Letizia aus der 5. Klasse scherzhaft empört, dass sie nach viereinhalb Minuten abbrechen mussten – sie hatten damit die Bestzeit des Tages aufgestellt. Für viel Heiterkeit sorgte auch die „Wasserschlange“, bei der ein Liter Wasser über Kopf von Eimer zu Eimer weitergegeben wurde – mit dem Ziel, möglichst viel Wasser im letzten Eimer zu sammeln. Natürlich ließen es sich die Kinder nicht nehmen, noch eine zweite Spaßrunde dranzuhängen – und dabei den Hintermann möglichst nass zu machen.
Trotz Hitze: Kurpark besser als Schule
Die Stimmung blieb dank der schattigen Bäume und Wassersprenger entlang der Strecke bestens. Im Kurpark ließ es sich besser aushalten als im aufgeheizten Schulgebäude, darin waren sich alle einig. Die Laufstrecke lag weitgehend im Schatten und die meisten absolvierten die Strecke nach ein paar schnellen Runden im zügigen Gehen. Einiges an Abkühlung war allerdings nicht ganz regelkonform: Der eine oder andere Läufer landete allen Verboten zum Trotz am Ende doch im Kurpark-Brunnen.
Abseits des Sports wurden im Park ungeahnte Talente sichtbar. Lucie und Vladyslava, beide 17 Jahre alt, schminkten die jüngeren Kinder mit kreativen, fantasievollen Motiven.
„Mein Hobby ist eigentlich Special Effects Make-up mit Kunstblut, Latex und Watte“, verriet Lucie schmunzelnd.
Für den Spendenlauf machte sie aber gerne eine Ausnahme.




Jeder kann etwas beitragen
Mutter Julia Eder hat ihre Tochter Marie, die in die 5. Klasse geht, angefeuert und beim Getränkestand ausgeholfen. Sie findet, dass es den Kindern leichter fällt, wenn jemand sie anfeuert und sieht, was sie leisten. Den Zustand vieler Schultoiletten bezeichnet sie traurig und hinterfragt kritisch, welche Werte manchen Kindern vermittelt werden. Sie hofft gemeinsam mit Natalie Diedler vom Schulelternbeirat, dass die Schultoiletten bald kein „Ekelthema“ mehr sind. Doch die Zeichen stehen jetzt auf Aufbruch: Durch den Einsatz der Schulgemeinschaft und die Unterstützung der Sponsoren wurde noch einmal deutlich, dass jeder durch sein eigenes Handeln zu einer verbesserten Toilettensituation beitragen kann.
Lehrerin Heike Hatzmann freute sich über die vielen glücklichen Gesichter.
„Dieser Lauf hat die Schulgemeinde zusammengeschweißt“, war ihre Beobachtung. Jüngere und Ältere hätten sich gegenseitig unterstützt, alle seien motiviert und aktiv. „Hier lernt man das Miteinander, wirklich alle bringen sich ein.“
(Text und Fotos: Myriam Rompel)
Unsere Sponsoren
Ein großes Danke an alle Sponsoren, die dazu beigetragen haben, dass der Spendenlauf stattfinden konnte!









